Józef Ignacy Kraszewski

Józef Ignacy Kraszewski wurde in Warschau als ältester Sohn einer wenig begüterten polnischen Adelsfamilie geboren. Er studierte in Wilna Medizin und Philosophie. Nach der Beteiligung am Novemberaufstand 1830, in dem sich Polen gegen die russische Besatzung erhob, sollte er nach Sibirien verbannt werden. Er konnte fliehen, wollte nach Frankreich emigrieren, blieb jedoch in der sächsischen Residenzstadt Dresden. Hier fand er für 20 Jahre als Emigrant eine neue Heimat. Auch tausende andere polnische Flüchtlinge fanden in Dresden Asyl. Nach sechs Jahren Aufenthalt erhielt Kraszewski die sächsische Staatsangehörigkeit, die es ihm erlaubte, eine Druckerei einzurichten. In der Nordstraße kaufte er sich ein Grundstück und ein Haus, das auch für andere polnische Emigranten immer offen stand. Trotz sächsischer Staatsbürgerschaft stand Kraszewski in Sachsen wegen seines Kampfes für die Unabhängigkeit Polens unter Polizeibeobachtung, bis er schließlich 1883 wegen Hochverrats angeklagt und zu drei Jahren Haft verurteilt wurde. Ihm wurde Zusammenarbeit mit dem französischen Geheimdienst vorgeworfen. Wegen seines schlechten Gesundheitszustands entließ man ihn gegen Kaution.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in der Schweiz. Kraszewski hinterließ etwa 240 Romane und Erzählungen. Mit seinem in Dresden entstandenen sechsteiligen Romanwerk schrieb er über die Zeit, in der die sächsischen Herrscher zugleich den polnischen Königstitel innehatten. Er gibt dem Leser bis heute einen Einblick in vergangene, glanzvolle aber auch kriegerische Zeiten. Somit leistete er einen wichtigen Beitrag für das historische Verständnis der polnisch-sächsischen Union. Seit 1960 ist sein Wohnhaus Museum. Es wurde ein Ort geschaffen, an dem ein Stück Zeitgeschichte erzählt und über deutsch-polnische Beziehungen im 19. Jahrhundert informiert wird. Noch heute ist das Kraszewski-Haus als Sitz der Deutsch-Polnischen Gesellschaft ein Ort für Begegnungen zwischen den Menschen beider Länder.