Was ist Raum? Für diese Frage gibt es, je nach Blickwinkel, unterschiedliche Antworten. Der Begriff selbst stammt vom germanischen Wort ruma – was so viel bedeutet wie Platz oder Lagerstätte. Aber neben der rein sprachlichen Deutung können wir Raum geografisch, soziologisch, physikalisch, philosophisch, mathematisch oder kunstwissenschaftlich erklären.

Der Raum als Kunstwerk – der Architekt als Künstler. Zumindest seit der Aufklärung wird die Architektur zu den schönen Künsten gezählt. Seit einigen tausend Jahren werden Räume gebaut – in Form von Wohngebäuden, Gotteshäusern, Palästen, Städten und Landschaften. Und wem es möglich ist, der schafft sich damit gewaltige Raumanlagen – denken wir nur an den Topkapi-Palast in Istanbul, das Kolosseum in Rom, den Kölner Dom oder den 828 Meter hohen Wolkenkratzer Burj Khalifa in Dubai.

Oder betrachten wir die Zeit des Barocks – dort entstanden aus Räumen wahre Raumorgien der Pracht und des Prunks. Pracht und Prunk wurden mit Mitteln der Architektur, der Malerei und der Bildhauerei geschaffen, gewissermaßen als opulentes Szenenbild für die Selbstinszenierung des großartigen, sonnengleichen, adligen Herrschers.

Für den Raum als Schaffens- und Rückzugsort sollen zwei Beispiele aus anderen Zeiten stehen. Zwei Kunst-Räume, die den heutigen Betrachter nicht weniger gefangen nehmen. Der Maler Otto Niemeyer-Holstein ließ einen ausrangierten Berliner S-Bahnwagen nach Koserow auf die Insel Usedom bugsieren. Damit war die Keimzelle des Lüttenort geschaffen. Unter der gestaltenden Hand des Künstlers entstand ein Ensemble aus Wohnhaus, Atelier und Garten am Achterwasser – zugleich Refugium in den Wirren des Krieges und Arbeitsort, in dem sich Kunst und Natur unmittelbar begegnen konnten. Der holländische Maler Vincent van Gogh indes kaufte sich Ende des 19. Jahrhunderts ein bescheidenes gelbes Haus in der Stadt Arles in Südfrankreich. Diese Umgebung, die Landschaft der Provence mit ihrem silbernen Licht sollte ihm und seinen Freunden Wohn- und Arbeitsort werden. Einen Raum dieses Hauses kennen wir von seinem Gemälde Schlafzimmer in Arles. Wir blicken in ein Zimmer, in dem sich Bett, Tisch und Stühle befinden und drei seiner Gemälde an den Wänden hängen.

Der Raum als Kompositionsprinzip in der Malerei entwickelte sich bereits in der Antike. Auf Wänden tauchte nun gemalte Architektur auf, wobei sie noch nicht die geometrische Perfektion der später entwickelten Zentralperspektive aufweist. Im Mittelalter hingegen gab es keine naturalistische Raum- oder Körperdarstellung mehr. Nicht die räumliche Situation bestimmte von nun an die Größe der Figuren im Bild, sondern ihre Bedeutung im Kontext der Bilderzählung. Goldgrund – in symbolischer Bedeutung des Überirdischen und Himmlischen – verdrängte die bisher oft nur angedeutete Raumtiefe.

In der nachfolgenden Epoche der Renaissance bedienten sich die Künstler der mathematischen Lehre vom Raum – der Geometrie. Eine Wissenschaft, die durch die Wiederbelebung der Antike nun wieder ins Bewusstsein der Menschen gelangte. Mithilfe der Gesetze der Geometrie gelang es ihnen, auf zweidimensionalem Grund einen dreidimensionalen Eindruck zu erzeugen. Die Zentralperspektive wurde erfunden.

Parallel dazu wurde für eine plastische Raumdarstellung der Landschaft die Luft- und Farbperspektive entwickelt. Diese basiert darauf, dass sich Farben mit zunehmender Entfernung verändern. In der Ferne nimmt ihre Intensität ab – sie werden heller und kühler. Mit der Erfindung der Fotografie verlor sich allerdings dieser Anspruch auf realitätsgetreue Räumlichkeitsdarstellung zunehmend.

Schinkelwache, Dresden
Arabischer Himmelsglobus
Józef Ignacy Kraszewski
Katharinenaltar
Zwinger Dresden
Carl Friedrich Schinkel
Canaletto, Elbufer Dresden
Erdglobus
Altarbild Annenkirche Dresden
Radmantel
Erich Heckel, Atelierszene
Richard Wagner, Mamorbüste