Parallel dazu wurde für eine plastische Raumdarstellung der Landschaft die Luft- und Farbperspektive entwickelt. Diese basiert darauf, dass sich Farben mit zunehmender Entfernung verändern. In der Ferne nimmt ihre Intensität ab – sie werden heller und kühler. Mit der Erfindung der Fotografie verlor sich allerdings dieser Anspruch auf realitätsgetreue Räumlichkeitsdarstellung zunehmend.

Laut Ferdinand de Saussure, der im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert den Grundstein für die Entwicklung von Linguistik und Semiologie legte, kann Sprache als Wertesystem, das die amorphen Gedanken in unseren Köpfen formt, als ein Blatt Papier betrachtet werden (2006). Desgleichen lassen sich Gedanken und Töne nicht voneinander trennen. Der Wert eines Begriffs muss mit etwas Verschiedenem und etwas Gleichem verglichen werden. So wie man fünf Euro mit einem Dollar vergleichen kann, lassen sie sich auch zu Brot in Beziehung setzen, um ihren Wert in der Sprache zu bestimmen. Das heißt, es ist das System von Unterschieden und Beziehungen zwischen dem Ich, Wir und Anderen, das den Wert von Begriffen ausmacht. Nach dem Philosophen Michel Foucault ist der Prozess, durch den Geschichten konstruiert, benutzt und transformiert werden, der Schlüssel zum Verständnis von Machtverhältnissen (1991). Indem die Bedingungen, unter denen bestimmte Dinge passieren, infrage gestellt werden, sollte der Fokus der Analyse auf drei Ebenen liegen: die Art und Weise, wie Individuen sich präsentieren; die Regeln für diese Vorgehensweise; und die Ansprüche (als Sphäre, in der Wahr und Falsch ausgeführt werden können) für die Begründung dieser Vorgehensweise. Die Geschichten können sich auf Ideen, tägliche Praxis oder Überzeugungen beziehen. Als ein Denksystem konstruieren diese Erzählungen ihre Subjekte und deren Umgebung, da sie die Herrschaft von Wahrheit und Macht etablieren und legitimieren.

Um die Bedeutung von Narrative und Narration, Geschichten und Erzählung, für die andauernden Beziehungskonstruktionen zwischen dem Ich, Wir und den Anderen zu verdeutlichen, sind die Beiträge vom Literaturprofessor und Begründer des Postkolonialismus Edward Said erhellend. Daran interessiert, wie der Westen den Osten wahrnimmt, führt Said kulturelle Repräsentationen an, die sich auf primitive, irrationale, gewalttätige, exotische und despotische Eigenschaften des Orients und seiner Menschen beziehen, insbesondere aus dem Nahen Osten, Nordafrika und Asien (1979). Diese eurozentrische Perspektive oder Narrative, für Said Orientalismus, betont die Unterscheidung zwischen Ost und West und definiert den Europäer als rational, reif und normal.

Denn Orientalismus war letztlich eine politische Vision der Wirklichkeit, deren Struktur den Unterschied förderte zwischen dem Vertrauten (Europa, Westen, wir) und dem Fremden (Orient, Osten, sie). In gewissem Sinne schuf diese Vision die beiden so konzipierten Welten und diente ihnen dann. Die Orientalen lebten in ihrer Welt, wir lebten in unserer. Diese Vision und ihre materielle Realität stützten sich gegenseitig, hielten sich gegenseitig am Laufen. Eine gewisse Freiheit im Umgang war immer das Vorrecht des Abendländers; weil seine Kultur stärker war, konnte er eindringen, konnte ringen, konnte dem großen asiatischen Mysterium Form und Bedeutung geben ... (Said, 1979: 43–44).

Als Diskriminierungsmethode funktioniert der Orientalismus durch die europäische Kolonialherrschaft und die politische Vorherrschaft über die östliche Welt und ihre Menschen (Said, 1979: 123; Said, 1994: 6–8). Somit hat das Konzept des Orients als eine Kategorisierung als Anderer funktioniert. Es ist durch die Narrative eines orientalischen Anderen, dass sich das Ich, und zwar im Fall von Saids Orientalismus, Europa und der Westen, kontinuierlich an verschiedenen Schnittpunkten von Zeit und Raum innerhalb hegemonialer Machtverhältnisse definiert.

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