Karl May

Karl May wurde 1842 in Ernstthal im Erzgebirge geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Er studierte am Lehrerseminar, erst in Waldenburg, später in Plauen und schloss die Ausbildung erfolgreich ab. Danach kam er immer mit dem Gesetz in Konflikt – Diebstahl, Betrug und Hochstapelei führten ihn wiederholt ins Gefängnis. Letztendlich saß er vier Jahre im Zuchthaus Waldheim, wo er anscheinend, wie er selbst berichtete, eine innere Wandlung vollziehen konnte. Er fand zur Schriftstellerei. Nach seiner Entlassung widmete er sich dem Schreiben von Erzählungen, die in Zeitschriften abgedruckt wurden.

Der schriftstellerische Durchbruch begann für Karl May mit dem Kontakt zum Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld, Der Verleger kontaktierte May 1891 und bot ihm an, die in der Zeitschrift Der deutsche Hausschatz erschienenen Erzählungen in Buchform herauszubringen. Mit Erfolg erschienen seine Reiseromane in 33 Bänden. Dazu gehören der sechsbändige Orientzyklus und die Trilogie Winnetou. Erstmals erlangte Karl May finanzielle Sicherheit und Ansehen. Seine erfolgreichen Reiseerzählungen schrieb er in der Ich-Form. Das suggerierte dem Leser, er selbst habe diese Abenteuer erlebt. Mit der Zeit nahm er diese Haltung des Abenteurers immer mehr an, inszenierte sich als Kara Ben Nemsi oder Old Shatterhand und zeigte bereitwillig Kampfspuren an seinem Körper oder angebliche Haare von Winnetou. Seine Villa in Radebeul – er nannte sie Villa Shatterhand – stattete er mit teilweise exotischen Objekten aus, die er als Reiseandenken bezeichnete. Bei sächsischen Handwerkern ließ er sich sogar die in den Romanen vorkommenden Waffen anfertigen. May schrieb über ferne Länder und fremde Völker, ohne sie zunächst selbst bereist zu haben. Er verstand es, die Exotik der fremden Länder in aller Farbenpracht zu beschreiben, obwohl er sie nicht selbst gesehen hatte. Erst im hohen Alter besuchte er als Tourist die Stätten, von denen er einst erzählte. Allerdings fand er bei seinen Reisen – sowohl in Amerika als auch im Orient – nicht das vor, was er in seinen Büchern mitreißend beschrieben hatte. Seine Fantasie und die Wirklichkeit lagen sehr weit auseinander.

Karl May zählt seit mehr als 100 Jahren zu den meistgelesenen Schriftstellern der Welt. Sein Werk wurde in 46 Sprachen übersetzt.