Nikolaus Krell

Nikolaus Krell studierte ab 1572 an der Leipziger Universität, wo er 1575 Magister der Jurisprudenz wurde. Einige Jahre später erwarb er die Doktorwürde. Auf Reisen in die Schweiz kam er mit dem Calvinismus in Kontakt und wendete sich dieser reformierten Glaubensrichtung zu. Johannes Calvin, 20 Jahre jünger als Luther, ließ sich von dessen Lehren inspirieren und leiten und wurde selbst zum Reformator. Trotz vieler Gemeinsamkeiten gibt es aber auch einige zentrale Unterschiede zwischen den Ideen Calvins und Luthers, die dazu führten, dass es bis heute keine einheitliche protestantische Kirche gibt. Aufgrund seiner hervorragenden Kenntnisse im juristischen Bereich ernannte der sächsische Kurfürst August Nikolaus Krell zum Hofrat. Nach dem Tode des Kurfürsten wurde Krell von Christian I., dem Sohn und Nachfolger von Kurfürst August, 1586 zum Geheimen Rat befördert und knapp drei Jahre später schließlich Kanzler mit fast uneingeschränkter Vollmacht. Krell besaß das volle Vertrauen des neuen Kurfürsten, da er diesen auch schon in früheren Zeiten beraten hatte. Krells calvinistischer Einfluss auf Christian I. bewirkte, dass dieser sich vom strengen Luthertum abwandte und diesbezüglich Reformen in Sachsen einführte. Sie sollten die lutherische Orthodoxie aufweichen und zurückdrängen.

Der Tod Christians wirkte sich allerdings ungünstig auf diese Neuerungen und auch auf Nikolaus Krell selbst aus. Unter Sophie von Sachsen, der Witwe des Kurfürsten, die immer strenge Lutheranerin geblieben war, setzte eine Verfolgungswelle gegen die Anhänger des Calvinismus ein. Nikolaus Krell wurde verhaftet und auf der Festung Königstein inhaftiert. Nach einem zehnjährigen Prozess, bei dem er sich selbst verteidigte und an seinem Glauben weiterhin festhielt, wurde er in Dresden mit dem Schwert hingerichtet.