Krisen gab und gibt es immer – sowohl als persönliche Krisen, Naturkatastrophen oder auch Krisen der Gesellschaft. Krisen können beflügeln oder blockieren, aus Krisen erwächst Leid, kann aber auch Kunst entstehen. So war es und so wird es wohl auch immer sein – ganz egal in welchem Teil der Erde.

Das Wirken des Malers Hieronymus Bosch fiel in die Zeit des endenden Mittelalters. In dieser Zeit wurden wichtige Entdeckungen und Erfindungen gemacht. Der Buchdruck revolutionierte die Verbreitung neuer Ideen und beschleunigte den Abschied der alten Zeit. Nur ein Jahr nach Boschs Tod schlug Luther seine Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche. Bosch hinterließ uns Bilder, in denen er mit Monstern, Fratzen, Dämonen strafende Höllenszenarien heraufbeschwor, wie wir sie in seinem berühmten Weltgerichtstriptychon bewundern können. Ohne Frage könnten wir seine Beschwörungen auch auf die Höllen übertragen, die das 20. Jahrhundert immer wieder überschattet haben und auch nicht vor dem 21. Jahrhundert halt machen.

Krisen wuchsen zu Katastrophen heran. Die Spannungen zwischen den Machtblöcken, der Kampf um Kolonien führten die Welt in eine Krise, die in den Ersten Weltkrieg mündete. Fast zehn Millionen Soldaten starben, Frauen verloren ihre Männer, Mütter ihre Söhne. Eine dieser Mütter war Käthe Kollwitz, die nach dem Tod ihres Sohnes Peter in eine Lebenskrise stürzte. Ein Verlust, der ihr späteres Schaffen prägen sollte, was sich im Holzschnitt- Zyklus Der Krieg widerspiegelt. Unter dem Eindruck des schrecklichen Todes ihres Sohnes fasste sie den Entschluss, das Mahnmal Trauerndes Elternpaar für den Soldatenfriedhof Vladslo in Flandern zu schaffen.

Der Maler Otto Dix verarbeitete seine Eindrücke aus den Schützengräben des Ersten Weltkriegs in einem Gemälde. Er malte das Triptychon Der Krieg. Ein bedrückend realistischer Aufschrei seiner Erinnerungen noch zehn Jahre später. Kaum war die Farbe getrocknet, stürzte die Welt in die nächste Krise. Was mit dem Verbrennen von Büchern und der Verunglimpfung von Kunst als entartet begann, endete in der bis dahin größten Niederlage der menschlichen Zivilisation.

Auf den Trümmern, die einen ganzen Kontinent bedeckten und die Köpfe und Herzen der Menschen füllten, wagten Künstler voll Mut und Hoffnung einen Neuanfang. In Westdeutschland wurde über neue Wege diskutiert. Viele sahen sie in der Hinwendung zur Abstraktion als eine größtmögliche Unterscheidung zur Kunst des Nationalsozialismus. In Ostdeutschland wird Sozialistischer Realismus gefordert, wiederum bewusst als Opposition zur westlichen Kunst. Diese Kunstrichtung sollte dem Erhalt und dem Fortschritt des Sozialismus in der DDR dienen und unterlag der Obhut der SED.

Und wieder entstanden den Künstlern Zwänge. Die den Zwängen nicht nachgeben wollten, verließen die DDR. Andere blieben, versuchten sich im Rahmen der Möglichkeiten an den äußeren Rahmen zu reiben und schufen unter diesen Bedingungen ein Werk, das sich oft genug kritisch verstand und damit den Verlust öffentlicher Förderung riskieren musste. So konnten auch hier unangepasste Werke entstehen. Viele Künstler verfolgten auch in der Stille ein großes Werk.

Heute wissen wir, dass die Vielzahl dieser Versuche dazu beigetragen hat, dass aus kleinen Nadelstichen Risse wurden und die Risse am Ende die feste Burg fallen ließen. Und wieder begann für viele Künstler eine Zeit der Krise, verbunden mit Neuorientierung und der mühsamen Behauptung auf dem Markt.

Bildnis Krell Nikolaus (der enthauptete Kopf)
Gret Palucca
Das Grubengas, Constantin Meunier
Das Warten, Käthe kollwitz
Der Krieg, Otto Dix
Deutschland wird deutscher, Katharina Sieverding
Dreieckige Erhebungen in Rotbraun, Blau und Ocker vor Gelb, Hermann Glöckner
Frau mit Kind, Otto Dix
Nikolaus Krell
Geistliche Chormusik, Heinrich Schütz
Plünderung eines calvinistischen Hauses (Weinhausisches Haus) während der Unruhen  am 19. und 20. Mai 1593
Die Synagoge in Dresden, Bernhard Kretzschmer
Vereist, Ralf Kerbach