Jugendliche von 16 bis 19 Jahren befinden sich in einer intensiven Phase ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Während dieser Phase befassen sie sich stark mit Zugehörigkeitsfragen, Partizipationsmöglichkeiten, aber auch mit Ausgrenzungsproblemen. Somit entwickeln oder übernehmen sie subjektive Ansichten und Kriterien, anhand derer sie Gruppen bilden, sich an Gruppen an- bzw. von ihnen ausschließen.

Neben dem privaten Umfeld sind Schulen und Jugendzentren die wichtigsten Begegnungsstätten, in denen sich Jugendliche in heterogene Gruppen zusammenfinden. In diesen Institutionen haben Lehrer*innen und Sozialpädagog*innen die Möglichkeit, Jugendliche mithilfe von interkultureller Bildung und zielgruppenspezifischen Vermittlungsformaten zur Auseinandersetzung und zum Dialog zu verschiedenen Themen zu motivieren und anzuleiten. Dafür bieten diese Broschüre, aber auch die Kurzfilme Ich, Wir, die Anderen und die jeweiligen Freizeitaktivitäten mit methodischen Empfehlungen eine sehr gute Grundlage.

Um die mit jungen Menschen besprochenen Themen wie Zeit, Raum, Narration, Mobilität und Krise im Kontext Ich, Wir, die Anderen intensiver zu diskutieren oder zum Nachdenken anzuregen, bieten die in diesem Heft aufgeführten interaktiven pädagogischen Übungen eine gute Möglichkeit, differenziert mit der Zielgruppe ins Gespräch zu kommen.

Durch Selbsterfahrung und Perspektivwechsel erleben die Teilnehmenden (TN) komplexe gesellschaftliche und soziale Systeme und eröffnen sich somit einen eventuell für sie neuen Erfahrungshorizont. Über Selbsterfahrung und den anschließenden Austausch bzw. einer anregenden Diskussion mit anderen können die TN das emotional Erlernte/Erlebte mit kognitiven Argumenten verbinden. Hervorgehoben wird die intensive Förderung der Empathieentwicklung durch die Anwendung unterschiedlicher Methoden, wie pädagogische Simulationen, Theaterelemente und die Auseinandersetzung mit künstlerischen Objekten – beispielsweise mit themenbezogenen Exponaten der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Anhand der Übungen soll es den TN ermöglicht werden, gemeinsam Strategien zu entwickeln, um eventuelle gesellschaftliche Missstände und Konflikte zu erkennen und diese in der Gruppe zu diskutieren.

Die Beschreibung der verschiedenen Übungen richtet sich an pädagogische Fachkräfte wie beispielsweise Lehrer*innen, Erzieher*innen, Sozialpädagog*innen, Streetworker*innen und Mediator*innen, die mit ihren jeweiligen Gruppen mithilfe der didaktischen Ansätze das Thema Ich, Wir, die Anderen in verschiedenen Gesprächen debattieren. Die Aufgabe der Pädagog*innen in ihrer Rolle der Moderation ist es, für alle TN einen Rahmen zu schaffen, der Vertrauen weckt und die Möglichkeit bietet, sich auf Erfahrungen einzulassen. Raum und Zeit für eine ausführliche Auswertung der praktischen Übungen zu geben, ist im Nachgang unabdingbar. Nicht zuletzt sollte eine Atmosphäre hergestellt werden, in der alle TN ihre persönliche Meinung unvoreingenommen äußern und vertreten können und nicht mit einem unwohlen Gefühl oder einem unausgesprochenen Bedürfnis aus dem Gespräch gehen.